Heike Christian ist heute eine langjährige Kollegin des Treffpunkt e.V. Doch ihr Einstieg in den Treffpunkt e.V. begann nicht als Mitarbeiterin, sondern als junge Mutter, die Unterstützung suchte. Ihr Kind war klein, eine Ausbildung schien schwer vereinbar, und die Angebote des Jobcenters passten selten zu ihrer Lebensrealität. Über MUT, ein Angebot für junge Mütter, fand sie zunächst Orientierung und die Möglichkeit, ihre nächsten Schritte zu sortieren.

Mit Struktur und Rückhalt zur Ausbildung

Während ihrer Zeit bei MUT lernte sie eine Kollegin des Treffpunkt e.V. kennen, die sie ermutigte, sich hier für eine Ausbildung zu bewerben. Dieser Zuspruch eröffnete ihr die Chance auf eine Teilzeitausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation, die sie 2011 startete. Die Ausbildung war gefördert, um jungen Müttern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufsqualifizierung zu ermöglichen. Mit 30 Wochenstunden, zusätzlichem Förderunterricht und klaren Rahmenbedingungen konnte sie so eine Struktur aufbauen, die für ihre Lebenssituation passte.

Die Jahre ihrer Teilzeitausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation waren herausfordernd. Zwischen Kinderbetreuung, Ämtern, Ausbildungsinhalten und finanziellen Fragen brauchte es viel Kraft. Unterstützung fand sie vor allem im Treffpunkt e.V. selbst: Kolleginnen begleiteten sie zu Gesprächen im Kindergarten, zur Grundschule und sogar zum Jobcenter. Diese Begleitung gab ihr Rückhalt: nicht nur praktisch, sondern auch emotional. Aus der jungen Mutter wurde Schritt für Schritt eine selbstbewusste Frau, die ihre Rolle fand und annahm. „Ich bin reifer und erwachsener geworden. Ich habe hier gelernt, offener zu werden und Nein sagen zu können“, sagt sie rückblickend.

Persönliche Entwicklung und berufliche Perspektiven

Heute blickt sie auf einen Weg zurück, der von persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung geprägt ist: Von der allgemeinen Verwaltungstätigkeit wechselte sie in Bereiche wie Finanzen und Personal: Aufgaben, die Verantwortung und Vertrauen erfordern. Diese Verantwortung spiegelt sich auch darin wieder, dass sie sich von der Auszubildenden zur Ausbilderin entwickelt hat. „Wenn ich heute zurückblicke und mir vor Augen führe, dass ich alles mit einem damals Kleinkind unter einen Hut gebracht habe, dann macht mich das schon stolz.“, erzählt Heike Christian zufrieden.

Für die Zukunft wünscht sie sich, persönlich weiterzuwachsen und gleichzeitig, dass der Treffpunkt e.V. so bleibt, wie sie ihn kennengelernt hat: ein Ort, an dem Menschen Unterstützung finden, ihren Weg zu gehen. Jungen Müttern, die heute in einer ähnlich schwierigen Situation stehen, gibt sie einen Rat aus eigener Erfahrung: „Lasst euch nicht unterkriegen! Und nehmt jede Hilfe an, die euch angeboten wird.“

Ihre Geschichte verdeutlicht, wie entscheidend verlässliche Strukturen, Ermutigung und passende Unterstützungsangebote für einen erfolgreichen beruflichen Einstieg sind, und zeigt zugleich, welche positive Entwicklung möglich wird, wenn diese Faktoren zusammenwirken: Aus einer ersten Orientierung bei MUT entsteht eine klare berufliche Perspektive; aus einer Klientin eine geschätzte Mitarbeiterin – ein Weg, der Mut macht.

Zum Ende des vergangenen Jahres war unsere Kollegin Aylin Seuferling erneut zu Gast in der Radiosendung „Strafzeit“ auf Radio Z. Thema der Sendung war eine Frage, die viele Familien bewegt: „Wie sage ich es den Kindern?“ 

Die Sendung „Strafzeit“ wird an jedem 5. Sonntag im Monat von 18:00 bis 20:00 Uhr ausgestrahlt. Neben bekannten Musik-Hits bietet sie die Möglichkeit, Grüße an Inhaftierte zu senden und so eine wichtige Verbindung nach draußen aufrechtzuerhalten.

Seit August letzten Jahres wird die Sendung zudem durch den Treffpunkt e.V. bereichert. Dadurch entsteht noch mehr Raum für Austausch, Unterstützung und Gespräche über Themen, die Inhaftierte und ihre Angehörigen besonders beschäftigen.

Die aktuelle Ausgabe zum Thema „Wie sage ich es den Kindern?“ ist online verfügbar: https://www.radio-z.net/der-treffpunkt-e-v-und-die-frage-wie-sage-ich-es-den-kindern-73823/

Die nächste Sendung „Strafzeit“ können Sie am 29. März 2026 live auf Radio Z hören.

Einschalten lohnt sich – für aktuelle Informationen, praktische Hilfen und stärkende Impulse.

Auch in diesem Jahr hat die Allianz mit ihrer besonderen Wunschbaumaktion vielen Kindern aus den Familien des Treffpunkt e.V. große Freude bereitet. Die Aktion, die von den Auszubildenden der Allianz organisiert und durchgeführt wird, ermöglicht es Kindern unserer Klient*innen, einen persönlichen Wunsch zu äußern, der von den Mitarbeitenden der Allianz erfüllt wird.

Vergangene Woche fand die feierliche Übergabe der Geschenke beim Treffpunkt e.V. statt. Zwei Stunden nahmen sich die Auszubildenden und ihre Ausbilderinnen Zeit, um mehr über unsere Arbeit zu erfahren, Fragen zu stellen und die Atmosphäre bei uns kennenzulernen. Mitgebracht hatten sie nahezu 45 liebevoll verpackte Geschenke. Zusätzlich überraschte und die Allianz mit einer Geldspende in Höhe von 185 Euro, die unsere Arbeit weiter unterstützt.

Ein Teil der gesammelten Geschenke geht an die Kinder unserer MUT-Gruppe, in der junge Mütter begleitet werden, die sich oftmals in schwierigen Lebenssituationen befinden: frühe Mutterschaft, geringe finanzielle Mittel, abgebrochene Schul- oder Ausbildungswege. Für viele von ihnen ist die Weihnachtszeit mit Unsicherheiten verbunden, manchmal auch ohne eigene schöne Familientraditionen. Umso wertvoller ist das gemeinsame Weihnachtsprogramm der MUT-Gruppe: Geschichten über weihnachtliche Bräuche, gemeinsames Plätzchenbacken und Basteln geben den jungen Müttern neue Impulse, wie sie mit ihren Kindern eine liebevolle Adventszeit gestalten können.

Durch die Geschenke der Wunschbaumaktion wird die MUT-Weihnachtsfeier zu einem besonderen Erlebnis. Im Namen aller Mütter und Kinder sagen wir: herzlichen Dank!

Der andere Teil der Geschenke geht an Kinder, die von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen sind. Für sie ist Weihnachten oft eine Zeit, in der die Trennung besonders schmerzt. Viele dieser Kinder wünschten sich ein Kuscheltier: ein Zeichen dafür, wie sehr sie Trost und Nähe brauchen.

Ein berührendes Beispiel aus der vergangenen Woche zeigt, wie wichtig solche Gesten sind: In der Vater-Kind-Gruppe sprach ein fünfjähriger Junge mit seinem Vater über Weihnachten. Als er fragte, ob der Vater mitfeiern könne, musste dieser verneinen. Der Junge antwortete: „Sei nicht traurig, ich werde ganz fest an dich denken und dich im Herzen haben.“ Wie groß wird die Freude sein, wenn am Heiligabend zumindest ein Geschenk unter dem Baum liegt, das „von Papa“ kommt; ermöglicht durch die Mitarbeitenden der Allianz.

Wir danken der Allianz, ihren Auszubildenden und allen engagierten Mitarbeitenden herzlich für diese wunderbare Unterstützung und die vielen strahlenden Kinderaugen, die sie möglich gemacht haben. 

Seit 2005 steht die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Fachstellen für gemeinnützige Arbeit (AGV) für ein gemeinsames Ziel: Menschen eine zweite Chance zu geben.

Aus einer engagierten Initiative ist in zwanzig Jahren ein starkes Netzwerk entstanden – mit 21 Mitgliedern, klaren Qualitätsstandards und einer gemeinsamen Stimme für soziale Gerechtigkeit.

Auch wir sind Teil der AGV und gestalten dieses Netzwerk aktiv mit. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass gemeinnützige Arbeit und Geldverwaltung in Bayern auf einem hohen fachlichen und menschlichen Niveau stattfinden.

Das 20-jährige Jubiläum ist Anlass, zurückzublicken, Danke zu sagen und nach vorn zu schauen: auf neue Herausforderungen, neue Wege und eine Gesellschaft, die Verantwortung teilt.

Mehr über 20 Jahre AGV, ihre Geschichte und ihre Werte erfahren Sie hier: https://www.agv-bayern.org/interview-mit-agv-sprecherin/

25 Jahre Täter-Opfer-Ausgleich beim Treffpunkt e.V. – ein Anlass, um zurückzuschauen. Dieses bewährte Instrument der Justiz bringt Täter*innen und Opfer zusammen, um das Geschehene aufzuarbeiten, Wiedergutmachung zu ermöglichen und Konflikte respektvoll zu klären. Zum Jubiläum sprechen wir mit unserer Kollegin Michaela Franke, die seit 23 Jahren den Täter-Opfer-Ausgleich verantwortet, über persönliche Erfahrungen, Entwicklungen und die besondere Bedeutung dieser Arbeit.

Redaktion: Dieses Jahr feiert der Täter-Opfer-Ausgleich beim Treffpunkt e.V. sein 25-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für dich persönlich?
Michaela Franke: Ich bin unglaublich dankbar, dass wir es geschafft haben, dieses Instrument der Justiz 25 Jahre lang anzubieten. Dabei freue ich mich besonders über die Fallzahlen – es dümpelt nicht einfach im einstelligen Bereich, sondern wir können respektable Zahlen vorweisen. Und es zeichnet sich sogar eine Erweiterung ab: Begonnen haben wir nur für die Stadt Nürnberg, inzwischen sind auch Schwabach und der Landkreis Roth dazugekommen. Dass dieses Angebot nicht einschläft, sondern wächst, macht mich sehr glücklich.

Redaktion: Was hat sich in den letzten 25 Jahren in der Arbeit des Täter-Opfer-Ausgleichs verändert?
Michaela Franke: Ein großer Wandel war die Digitalisierung, besonders während der Corona-Zeit. Viele Angebote wurden digital durchgeführt, obwohl ich es mir herausgenommen habe, Gespräche persönlich zu führen. Auch die digitale Akte ist ein bedeutender Unterschied. Organisatorisch haben wir uns in der TOA-Landesgruppe Bayern vernetzt, wodurch auch politische Arbeit hinzugekommen ist; das war zu Beginn noch nicht der Fall.

Redaktion: Hat sich auch die Art der Delikte verändert, die ihr begleitet?
Michaela Franke: Grundsätzlich sind es ähnliche Delikte geblieben, vor allem Delikte mit sozialen Bindungen zwischen Täter*innen und Opfer – also in Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz. Typische Beispiele sind gefährliche oder vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung. Dort zeigt sich oft ein starkes Bedürfnis nach Klärung und Wiedergutmachung.
Spannend ist die Entwicklung bei sexuellen Übergriffen: Früher ausgeschlossen, werden heute auch sexuelle Übergriffe übertragen. Die Staatsanwaltschaft ist hier offener geworden.

Redaktion: Kannst du uns einen Fall schildern, der zeigt, wie der TOA beiden Seiten hilft?
Michaela Franke: Da gibt es einige! Einer ist mir besonders im Kopf geblieben: Eine Frau wurde in einem Zugabteil von exhibitionistischen Handlungen belästigt und erstattete Anzeige. Die Polizei machte sie auf den Täter-Opfer-Ausgleich aufmerksam. Nach eigener Recherche entschied sie sich, sich auf dieses Verfahren einzulassen, um den Täter mit seinen Handlungen zu konfrontieren. Der Beschuldigte fühlte sich bezüglich einer persönlichen Begegnung nicht gewachsen, wollte aber eine außergerichtliche Einigung suchen. Beide einigten sich dahingehend, dass er sich professionelle therapeutische Hilfe sucht. Die Anbindung wurde von mir regelmäßig über einen langen Zeitraum abgefragt und eingehalten.
Für die Geschädigte war es beruhigend zu sehen, dass der Beschuldigte Verantwortung übernimmt. Gleichzeitig bot ihm dieser Umgang mit seinem Fehlverhalten die Chance, an seiner Problematik zu arbeiten.

Redaktion: Was wünschst du dir für die Zukunft des TOA?
Michaela Franke: Ich wünsche mir, dass jemand meine Nachfolge mit derselben Leidenschaft übernimmt. Außerdem hoffe ich, dass noch mehr Städte auf uns aufmerksam werden und der TOA für Erwachsene stärker etabliert wird. Es gibt zwar einzelne Fälle, aber wir könnten deutlich mehr anbieten, wenn wir es offiziell bewerben würden.

Redaktion: Was bedeutet Wiedergutmachung für dich?
Michaela Franke: Für mich bedeutet Wiedergutmachung in erster Linie, dass die Geschädigten erkennen können, dass der/die Täter*in wirklich verstanden hat, welches Unrecht er begangen hat, und dass ihm/ihr das Ausmaß der Verletzung bewusst wird, dass er/sie verursacht hat. Wichtig ist, dass er/sie sich ernsthaft bemüht, das Geschehene wiedergutzumachen – in welcher Form auch immer – und dass seine Entschuldigung aufrichtig und ehrlich ist.
Zentrale Bedeutung hat dabei der Moment der Entschuldigung selbst: Wie schaut der/die Täter*in mich an? Wie ist die Körperhaltung, die Gesten? Gibt er/sie mir die Hand oder nicht? Solche Details sind entscheidend, damit die Geschädigten die Entschuldigung annehmen und innerlich abschließen können.
Besonders berührend ist es, wenn der/die Täter*in sich Gedanken macht, wie er/sie die Situation wiedergutmachen kann, und diese Schritte dann auch tatsächlich umsetzt. Das macht Wiedergutmachung für alle Beteiligten spürbar und lebendig.

 

Vor 25 Jahren wurde bei uns im Treffpunkt e.V. eine ganz besondere Abteilung gegründet: die Koordinierungsstelle für gerichtliche Arbeitsweisungen, kurz KogA. Ihr Auftrag: Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren dabei zu unterstützen, ihre gerichtlich angeordneten Weisungen und Auflagen zu erfüllen und sie bei der Ableistung gemeinnütziger Arbeit zu begleiten. Was andernorts das Jugendamt übernimmt, ist in Nürnberg bewusst ausgelagert worden. Seither ist die KogA die zentrale Anlaufstelle für Nürnberger Jugendliche.

Jährlich bearbeitet das Team um Leitung Justyna Bieganski rund 1.500 Zuweisungen: von Ordnungswidrigkeiten wie Schulversäumnis, Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung oder das Meldegesetz bis hin zu Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung, Betrug oder unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln. Dabei gilt stets das gleiche Ziel: Die Jugendlichen so zu begleiten, dass sie ihre Auflagen verlässlich erfüllen und gleichzeitig die Chance bekommen, neue Perspektiven zu entdecken.

Was die KogA dabei besonders macht, ist der Blick auf das Ganze: Es geht nicht nur um die Vermeidung weiterer Sanktionen, sondern auch um Perspektiven. „Wir nehmen uns für jeden Jugendlichen Zeit, hören zu und suchen eine Einsatzstelle, die passt“, erklärt Justyna Bieganski. „Denn hinter jedem Delikt steckt eine Geschichte und jeder junge Mensch verdient die Chance, Verantwortung zu übernehmen etwas Positives daraus mitzunehmen.“

 Von der Arbeitsauflage zur Chance

Die Arbeit der KogA ist viel mehr als reine Vermittlung. Das Team nimmt sich persönlich Zeit für jeden einzelnen Jugendlichen, prüft Einschränkungen, sucht passende Einsatzstellen und hält engen Kontakt zu Gerichten, Staatsanwaltschaften, Bewährungshilfe und Einsatzstellen. So leisten die Jugendlichen ihre Arbeitsstunden in gemeinnützigen Einrichtungen wie Altenheimen, Sportvereinen, Wertstoffhöfen, Jugendzentren oder Kindergärten ab; immer angepasst an potentielle Einschränkungen und ihre Lebenssituation. Viele Jugendliche erleben hier zum ersten Mal, wie es ist, gebraucht zu werden.

Nicht selten ergeben sich daraus besondere Erfolgsgeschichten. „Es kommt immer wieder vor, dass ein Jugendlicher durch die Arbeitsstunden entdeckt: Das ist genau mein Ding“, erzählt Justyna Bieganski. „Mitunter entwickelten sich aus den Auflagen bemerkenswerte Erfolgsgeschichten – beispielsweise der Einstieg in eine Ausbildung oder der Erhalt eines festen Arbeitsplatzes“. Solche Momente machen für das Team die Bedeutung ihrer Arbeit besonders spürbar.

Stetige Entwicklung

In 25 Jahren hat sich die KogA stetig weiterentwickelt. Von Beginn an digital aufgestellt, nutzte das Team zunächst eine technisch limitierte Datenbank. Bereits seit 2003 arbeitet das Team mit einem weiterentwickelten Datenbanksystem. Auch die Abläufe sind strukturierter geworden, etwa durch feste Termine, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurden und sich seitdem bewährt haben.

Ein besonderes Beispiel für Innovation und Weiterentwicklung ist unter anderem das Projekt „Tu was!“, welches sich an schulabstinente Jugendliche richtet. Statt die Jugendlichen zur Ableistung von Arbeitsstunden heranzuziehen, legt die KogA zunächst den Fokus darauf, ob eine schulische oder berufliche Re-Integration bereits erfolgt ist, etwa durch regelmäßigen Schulbesuch oder die Aufnahme einer Ausbildung. Liegt dies vor, so werden die Arbeitsstunden zunächst ausgesetzt und der Schul- oder Ausbildungsbesuch engmaschig überprüft. Sollte keine solche Anbindung bestehen, wird den Jugendlichen im Rahmen eines gezielten Einzelcoachings Unterstützung angeboten, um eine (Re-)Integration zu ermöglichen. Bei erfolgreicher Teilnahme an einer dieser Maßnahmen gilt die gerichtliche Auflage als erfüllt.“ „Wir gehen mit der Zeit und passen unsere Arbeit den Bedürfnissen der Jugendlichen an“, erklärt Justyna Bieganski. „Denn nicht jede Straftat oder jedes Problem lässt sich mit Arbeitsstunden allein lösen.“ Diese Haltung zeigt: Die KogA denkt nicht in starren Strukturen, sondern sucht nach Wegen, die wirklich helfen.

Auch herausfordernde Zeiten meistert das Team: Während der Covid-Pandemie entwickelte die KogA die Gesprächsweisung TEA (Themenbezogene Einzelarbeit), welches es dem Team ermöglichte, Jugendliche bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, weiter zu begleiten und sicher zu stellen, dass die Auflage erfüllt werden konnte. Die Gesprächsweisung ist mittlerweile fester Bestandteil in der Arbeit der KogA und wird nun als eine Kurzzeitmaßnahme zu alltags- oder deliktspezifischen Themenmodulen bei Straftaten angewandt.

Geduld, Vertrauen und starke Ergebnisse

Die Arbeit ist nicht immer einfach. Manche Jugendliche kommen mehrfach zur KogA, weil sie sich bei einer Einsatzstelle nicht bewährt haben. Doch das Team setzt bewusst auf Geduld und weitere Chancen. Oftmals sind mehr Gespräche und der richtige Blickwinkel auf ihre aktuelle Lebenslage erforderlich. Aufgrund der steigenden Multiproblemlagen der Jugendlichen erweist sich die Vermittlung in gemeinnützige Arbeit als immer komplexere Aufgabe.

Trotz aller Schwierigkeiten kann die KogA auf beachtliche Ergebnisse verweisen: 80 Prozent der Jugendlichen erfüllten im Jahr 2024 ihre Auflagen erfolgreich. Auch die Zusammenarbeit mit den Gerichten und Einsatzstellen gilt als vorbildlich.

„Unsere größte Stärke ist, dass die Jugendlichen merken: Wir arbeiten nicht gegen sie, sondern mit ihnen“, so Justyna Bieganski. „Das schafft Vertrauen, denn ohne Vertrauen geht es in diesem Bereich nicht.“

 Blick in die Zukunft

Nach 25 Jahren gilt es nicht nur zurückzublicken, sondern auch in die Zukunft gerichtet. Denn klar ist: Die Herausforderungen bleiben groß. Immer mehr Jugendliche kämpfen mit familiären oder psychischen Problemen, und die Straftaten verlagern sich teilweise in den digitalen Raum.

Trotzdem ist die Perspektive positiv. Teamleiterin Justyna Bieganski hat dabei vor allem ein Anliegen: „Ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin an neue Entwicklungen anpassen können und dabei unsere Haltung bewahren: jeden Jugendlichen individuell und ohne Vorurteile zu betrachten“.

Seit fünf Jahren gibt es in Mittelfranken die Fachstelle RESPEKT! – Täter*innenarbeit häusliche Gewalt, getragen von der Stadtmission Nürnberg e.V. und dem Treffpunkt e.V. Das Angebot richtet sich an Menschen, die in Partnerschaften Gewalt ausüben: körperlich, psychisch, verbal, ökonomisch oder digital. Ziel ist es, Gewalt zu beenden und Betroffenen ein Leben ohne Angst zu ermöglichen.

Warum Täterarbeit notwendig ist, erklärt Susanne Scharch, Verantwortliche für die Fachstelle im Treffpunkt e.V., die von Anfang an dabei ist: „Mich hat die Arbeit mit den Tätern interessiert.“ Denn Studien zeigen: „Paare bleiben trotz Gewalt oft zusammen. Es reicht also nicht, Frauenhäuser oder Opferschutzeinrichtungen anzubieten. Man muss auch bei den Tätern ansetzen und die Gewalt beenden: für die aktuelle und für mögliche zukünftige Partnerschaften.“

Entstanden ist die Fachstelle im Zuge der Istanbul-Konvention. Bayern beschloss, in jedem Regierungsbezirk entsprechende Einrichtungen einzurichten. In Mittelfranken übernehmen das seit fünf Jahren der Treffpunkt e.V. und die Stadtmission Nürnberg e.V. Das Ministerium wollte damals zwei Träger im Gebiet Mittelfranken. Durch den gemeinsamen Standort Nürnberg profieren heute beide Träger gleichermaßen: So können Räume, Netzwerke und Ressourcen geteilt werden.

„Wir fordern eine klare Haltung ein“
Der Weg in die Fachstelle ist für viele der schwerste Schritt. „Das erste Mal bei uns vor der Tür zu stehen und zu sagen: ‚Ich habe geschlagen.‘ ist eine enorme Hürde“, berichtet Jan Pliszewski, Verantwortlicher der Fachstelle für die Stadtmission Nürnberg e.V. Danach beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Taten: zunächst in Einzelgesprächen, später in einer Gruppe mit maximal acht Teilnehmern.

In 25 Gruppensitzungen werden Taten minutiös aufgearbeitet: Auslöser, Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen. Ziel ist es, neue Strategien zu entwickeln, um in Konflikten ohne Gewalt zu reagieren. „Wir fordern Verantwortung ein. Niemand kann die Zeit bei uns einfach absitzen. Die Gruppe lebt davon, dass sich die Täter öffnen und einander spiegeln.“, so Jan Pliszewski.
Der überwiegende Teil der Klienten sind Männer (ca. 88 %), die in Gruppen an sich arbeiten. Frauen und nicht-binäre Personen werden in Einzelsitzungen betreut.

Wenn Veränderung gelingt
Dass Täter*innenarbeit wirkt, zeigt das Beispiel eines jungen Mannes, das den Mitarbeitenden besonders im Gedächtnis geblieben ist. Er hatte seiner Partnerin gegenüber Gewalt angewendet und kam mit dem Vorsatz: Sollte es je wieder passieren, werde er sich trennen.

„Ich war anfangs sicher, dass die Beziehung nicht halten würde“, erinnert sich Susanne Scharch. Doch beide Partner arbeiteten mit. Der junge Mann stellte sich konsequent seinen Themen, reflektierte Auslöser seiner Wut und probierte neue Kommunikationsmethoden. Die Partnerin – ohne jegliche Verantwortung für die Veränderung zu tragen – unterstützte ihn, indem sie Übungen mitmachte, wie etwa wöchentliche Gesprächszeiten, bei denen beide abwechselnd fünf Minuten lang ungestört reden konnten. So entwickelte sich langsam eine stabilere Beziehung. Konflikte wurden offener angesprochen, Grenzen besser respektiert.

Trotz dieser gemeinsamen Entwicklung bekam die Partnerin circa ein Jahr nach der Tat Albträume. Das zeigt deutlich, wie tief und lang Gewalt nachwirkt. Selbst wenn ein Täter Verantwortung übernimmt und sich ehrlich verändert, verschwinden die Folgen für die Opfer nicht einfach.

Dieses Beispiel steht für viele Erfahrungen der letzten Jahre: Veränderung ist möglich, aber sie erfordert Zeit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Zwischen Erfolg und Belastung
Doch nicht jede Geschichte geht so aus. Manche Teilnehmer brechen ab, andere sind schlicht nicht geeignet für das Programm. Hinzu kommt die hohe Belastung für die Mitarbeitenden. „Wir hören Woche für Woche Gewaltschilderungen. Das setzt zu. Deshalb ist Supervision so wichtig, und klare Grenzen, etwa keine Fallarbeit im Homeoffice.“, so Susanne Scharch.

Auch organisatorisch stößt die Fachstelle an Grenzen. Die Nachfrage ist hoch, die Kapazitäten sind begrenzt. Teilweise muss die Fachstelle Menschen abweisen, die so dringend Unterstützung brauchen. Das geht nicht spurlos an den Mitarbeitenden vorbei.

Blick in die Zukunft
Zum Jubiläum blickt RESPEKT! mit Stolz auf fünf Jahre intensive Arbeit zurück. Gleichzeitig aber auch mit klaren Forderungen nach mehr Ressourcen. „Mein Wunsch ist ein stabiles Team, mehr Zeit für Austausch und eine bessere Ausstattung. Täter*innenarbeit ist nicht nur Gruppenarbeit, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerken, Vorträge, Fallkonferenzen. Dafür braucht es mehr Personal und eine bessere Finanzierung.“, erklärt Susanne Scharch.

Eines hat sie in dieser Zeit besonders gelernt: Gewalt hat viele Gesichter. „Sie ist oft subtil, schwer erkennbar und nimmt immer neue Formen an, auch digital. Wir müssen uns als Gesellschaft viel stärker sensibilisieren.“

Nach fünf Jahren ist RESPEKT! fest in Mittelfranken fest verankert. Die Arbeit bleibt herausfordernd, aber unverzichtbar. Denn, so Jan Pliszewski: „Nur im Zusammenspiel von Täter*innenarbeit, Opferschutz, Polizei und Justiz können wir eine gewaltfreie Zukunft erreichen.“

In diesem Jahr feiert unsere Maßnahme TEA (Themenbezogene Einzelarbeit) ihr fünfjähriges Bestehen. Was einst aus der Not während der Coronakrise entstanden ist, hat sich heute als fester Bestandteil der jugendlichen Straffälligenhilfe etabliert.

TEA wurde während der Pandemie ins Leben gerufen, als die Vermittlung in gemeinnützige Arbeit nahezu zum Erliegen kam und sich Verfahren aufstauten. „Die Staatsanwaltschaft hat uns damals gebeten, eine Lösung zu finden, damit die Verfahren nicht liegenbleiben“, erinnert sich Yasmin Matusek. So entstand das Konzept der TEA, das schnell greifbare Hilfe bot, auch unter den Einschränkungen der Pandemie. „Wir konnten Gespräche sogar draußen bei Spaziergängen oder online führen. Trotzdem bekamen die Jugendlichen eine Konsequenz für ihre Straftat“, ergänzt sie.

TEA: Individuell gedacht, bewusst gestaltet

TEA ist eine maßgeschneiderte Maßnahme zwischen Arbeitsweisungen und intensiver Einzelbetreuung. In 3 bis 5 Terminen bearbeiten Fachkräfte einen klar definierten Problemrahmen. Anders als in der Sozialen Einzelbetreuung, die breit gefächert agiert, fokussiert sich TEA auf konkrete Fragen, die oft in direktem Zusammenhang mit der begangenen Straftat stehen.

So kann beispielsweise bei Diebstahl untersucht werden, warum die Handlung entstand: War mangelnde Finanzkompetenz der Grund? Oder welche Konsequenzen hatte das Verhalten für andere? Ziel ist es, dass die Jugendlichen selbst ein Bewusstsein für ihr Handeln entwickeln. „Wir schauen dabei individuell, welche Punkte die Jugendlichen wirklich beschäftigen“, erklärt Yasmin Matusek.

Maßgeschneiderte Module mit Perspektive

Die Entscheidung, ob ein Jugendlicher zur TEA kommt, trifft in der Regel das zuständige Gericht. In Ausnahmefällen kann die Auflage auch zwei bis drei Module umfassen. Dabei besteht jedes Modul aus drei bis fünf Kontakten, die individuell gestaltet werden.

Besonders während der Pandemie bewährte sich TEA: Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz waren mit hohen Bußgeldern belegt, die für viele Jugendliche untragbar gewesen wären. „Die TEA hat es ermöglicht, dass Jugendliche an einer Gesprächsweisung teilnehmen konnten, anstatt sich zu verschulden oder in den Jugendarrest zu kommen“, so die Mit-Initiatorin.

Die größte Herausforderung liegt in der Kürze der Zeit: Innerhalb weniger Kontakte muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und das Problem bearbeitet werden. Kreativität ist gefragt, um die Jugendlichen aktiv einzubinden – sei es durch kleine Hausaufgaben, interaktive Aufgaben oder praktische Übungen.

Trotz der Herausforderungen blicken die Mitarbeitenden optimistisch in die Zukunft: „Ich wünsche mir, dass das Angebot bestehen und sich weiterentwickelt“, sagt Yasmin Matusek. Die vergangenen fünf Jahre zeigen, dass TEA ein wertvolles Instrument der ambulanten Jugendhilfe im Kontext Straffälligenhilfe ist und Jugendlichen dabei hilft, Verantwortung zu übernehmen und ihr Verhalten zu reflektieren.

Zehn Jahre – so lange begleitet der Treffpunkt e.V. bereits Mütter in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg mit einem besonderen Angebot: der Müttergesprächsgruppe. Ein Ort, an dem nicht Kinder, sondern die Mütter selbst im Mittelpunkt stehen.

Während Väter im Gefängnis häufig Kontakt zu ihren Kindern über Vater-Kind-Gruppen halten können, ist die Situation für Mütter eine andere: Wenn Mama Zuhause fehlt, bricht erfahrungsgemäß das ganze System auseinander. Viele Kinder wachsen in Pflegefamilien oder Kinderheimen auf. Regelmäßige Treffen sind dadurch schwer zu organisieren, eine Mutter-Kind-Gruppe innerhalb der JVA kaum möglich.

Die Müttergesprächsgruppe schafft deshalb etwas anderes: einen geschützten Raum, in dem Frauen über Mutterschaft nachdenken können; vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben.

Basteln als Brücke
Einmal im Monat treffen sich bis zu acht Frauen für zwei Stunden. Manche reden viel, andere hören lieber zu. Doch ihre Hände sind in Bewegung: beim Basteln. Dahinter steckt mehr als nur eine kreative Beschäftigung. Die Mütter gestalten kleine Geschenke für ihre Kinder. Ein Zeichen dafür, dass sie nicht vergessen sind und dass Mama auch hinter Mauern an sie denkt. Gerade Frauen mit einer Drogenproblematik finden beim Basteln leichter ins Gespräch, können reflektieren und Kraft schöpfen.

„Haft ist für viele wie auf Pause drücken“, beschreibt es die Gruppenleiterin Paula Herrera. „Plötzlich ist Zeit, um über das Muttersein nachzudenken: Was bedeutet Verantwortung? Was bedeutet es, süchtig und zugleich Mama zu sein?“, so die Gruppenleiterin. „Ich versuche den Frauen zu vermitteln: ‚Du bist Mama und bleibst es für immer – egal, was passiert.‘“

Emotionale Tiefe und große Herausforderungen
Die Arbeit mit inhaftierten Müttern ist oft bewegend und herausfordernd. Viele Frauen berichten von schwierigen Kindheiten, gebrochenen Beziehungen und der Last, Kinder zurücklassen zu müssen.

So zum Beispiel eine Mutter, die nur wenige Tage nach der Geburt ihrer Zwillinge in Haft kam. Bei den begleiteten Besuchen wurde deutlich: Für die Babys war die Pflegefamilie längst vertrauter als ihre eigene Mutter. Für die Frau war das ein schmerzhafter, aber auch notwendiger Moment der Erkenntnis.

Neben diesen persönlichen Geschichten gibt es auch strukturelle Hürden: Nicht jede Frau darf teilnehmen, die Sicherheitsauflagen sind hoch, die Aufenthalte oft kurz. Viele verlassen die Anstalt schon nach wenigen Terminen. Vertrauen muss dann in kürzester Zeit entstehen.
„Ich erlebe oft, wie die Frauen hier zum ersten Mal wirklich reflektieren, was es heißt, Mutter zu sein – und das kann sehr schmerzhaft sein. Gleichzeitig ist es unglaublich bewegend zu sehen, wie sie kleine Schritte machen und ihre Kinder im Herzen tragen“, erzählt Paula Herrera.

Ein neues Konzept entsteht
In den letzten Jahren hat sich die Gruppe weiterentwickelt. Anfangs lebte sie stark von spontanen Themen, inzwischen wächst ein strukturiertes Jahreskonzept: Von Sorgerecht über Trennung, von Drogen und Mutterschaft bis zu Pubertät: Zentrale Fragen der Elternschaft werden regelmäßig behandelt. Manche Themen, wie der Drogenkonsum, sogar bewusst mehrfach im Jahr.

Viele Impulse kommen dabei direkt von den Frauen. Sie wollen mehr über das Schulsystem erfahren, über den Umgang mit dem Jugendamt oder darüber, was ein Sorgerechtsentzug bedeutet. Diese Fragen fließen in die Planung ein und geben den Frauen das Gefühl: Ihre Stimme zählt.

Ein Blick in die Zukunft
Für die Zukunft erhoffen sich Paula Herrera und ihr Team, dass noch mehr Frauen frühzeitig teilnehmen. Eine längere Begleitung schafft mehr Vertrauen, ermöglicht intensivere Gespräche und erhöht die Chance, dass Kinder spüren: Mama bleibt Teil meines Lebens.

Familien zu unterstützen bedeutet weit mehr als in akuten Krisen Hilfe zu leisten. Sozialarbeit schafft Räume, in denen Eltern und Kinder Vertrauen aufbauen, Orientierung finden und Perspektiven entwickeln können.

„Familie ist die Grundlage für das Leben und wie man sich entwickelt“, erklärt Paula Herrera, Teamleiterin der Familienbildung im Treffpunkt e.V. Seit vielen Jahren begleitet ihr Team Eltern, Alleinerziehende und junge Mütter dabei, ihren Alltag zu meistern, Verantwortung zu übernehmen und ihre Rolle als Elternteil zu stärken.

Familienbildung als Schlüssel
Seit vielen Jahren bietet der Treffpunkt e.V. Familienbildung an: Von Alleinerziehenden Mamas bis zu hin Geflüchteten fanden in den letzten Jahren viele verschiedene Zielgruppen Halt und Angebote im Treffpunkt e.V. Heute stehen vor allem junge Mütter (mit dem Angebote MUT) und Eltern (mit dem Angebot Let’s Talk) im Mittelpunkt der Familienbildung.

„Familienbildung möchte deutlich machen: Du bist nicht allein – ganz gleich, welche Herausforderungen oder Erfahrungen dich gerade belasten.“, erklärt Paula Herrera.

Die Erfahrung zeigt: Gerade Frauen, die jung Mutter werden oder neu in Deutschland sind, kämpfen mit Isolation. Ihnen fehlt oft ein soziales Netz, manchmal auch das Wissen über Unterstützungsangebote. In den Gruppen erfahren sie nicht nur praktische Hilfe, sondern vor allem Gemeinschaft und treffen anderen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Herausforderungen im Familienalltag
Elternsein war nie einfach und ist im digitalen Zeitalter sogar noch schwerer. „Eine der größten Herausforderungen ist diese Flut an Informationen. Viele Eltern orientieren sich an Erziehungstrends aus den sozialen Medien, ohne sie zu hinterfragen. Hier setzt die Familienbildung an: Sie schafft Orientierung, regt zum Nachdenken an und ermutigt Eltern, eigene Wege zu gehen.

Hinzu kommen gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren: Einkommen, Bildung und Wohnsituation bestimmen maßgeblich, welche Chancen ein Kind hat. „Wenn eine Mutter ständig arbeiten muss, ist sie für ihre Kinder kaum präsent. Das ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein emotionales Problem.“, so die Teamleiterin. Sozialarbeit schafft hier Ausgleich, indem sie Familien Zugänge eröffnet, Beratungen vermittelt und Hilfe beim Beantragen von Unterstützungsleistungen gibt.

Nachhaltigkeit durch Begleitung
„Ein einzelner Termin kann Impulse geben – aber echte Entwicklung geschieht, wenn Familien über längere Zeit begleitet werden. Dann sehen wir, wie sie ihren eigenen Weg finden und gestärkt ihren Alltag meistern.“, sagt Paula Herrera.

Ein Beispiel ist das Angebot MUT. Dort wachsen junge Mütter in ihre Rolle hinein, lernen die Bedürfnisse ihrer Kinder zu verstehen und erleben, dass sie Verantwortung tragen können. Sie entdecken auch: Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Stärke.

Prävention statt nur Krisenintervention
Oft suchen Familien erst Hilfe, wenn eine Krise sie überrollt. Doch Sozialarbeit wirkt auch vorbeugend. Let’s Talk ist so ein Angebot. In Online-Elternabenden erfahrene interessierte Eltern, wie sie mit den Herausforderungen der Pubertät umgehen.

„Elternsein ist die schwierigste Aufgabe der Welt und dafür gibt es keinen Schulabschluss und kein Zertifikat. Für fast alles werden wir geschult, nur nicht fürs Elternsein. Genau hier setzen wir an: Wir bereiten Eltern auf schwierige Phasen vor, bevor Probleme eskalieren.“, erklärt Paula Herrera.

Selbst sensible Themen wie Suizidalität oder selbstverletzendes Verhalten finden hier Platz. Viele Eltern nehmen das Angebot dankbar an; nicht, weil sie akut betroffen sind, sondern weil sie vorbereitet sein wollen.

Geschichten, die bleiben
Was Familienbildung bewirken kann, zeigt ein Beispiel besonders deutlich: Eine junge Mutter kam vor 15 Jahren zu MUT, fand dort Unterstützung, absolvierte später ihre Ausbildung im Treffpunkt e.V. und engagiert sich heute selbst in der sozialen Arbeit.

Gleichzeitig gibt es auch Situationen, die schwer auszuhalten sind: Etwa Fälle von Kindeswohlgefährdung, in denen entschieden werden muss, ob Kinder ohne ihre Eltern besser aufgehoben sind. Oder Familien, die über Jahre hinweg kämpfen, weil ihnen aufgrund politischer Förderlogiken die nötige Unterstützung verwehrt bleibt.

Und doch sind es die positiven Geschichten, die im Gedächtnis bleiben: Frauen, die Jahre später dankbar erzählen, wie wichtig die Vermittlung des Sprachkurses oder des Kindergartenplatzes für sie war. Und Kinder, die durch die Begleitung ihrer Eltern spüren: Ich habe eine Chance, meinen Weg zu gehen.

Sozialarbeit verändert nachhaltig
Sozialarbeit ist mehr als „Feuerlöschen“. Sie kann Familien durch Krisen begleiten, ihnen Orientierung geben und ihnen helfen, langfristig stabil zu werden.

Sie sollte als Ganzes betrachtet werden: präventiv – in der Krise – und nach der Krise. Das macht sie zu einem unverzichtbaren Bindeglied zwischen Familien, Gesellschaft und Zukunft.