25 Jahre KogA – eine Nürnberger Erfolgsgeschichte

Vor 25 Jahren wurde bei uns im Treffpunkt e.V. eine ganz besondere Abteilung gegründet: die Koordinierungsstelle für gerichtliche Arbeitsweisungen, kurz KogA. Ihr Auftrag: Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren dabei zu unterstützen, ihre gerichtlich angeordneten Weisungen und Auflagen zu erfüllen und sie bei der Ableistung gemeinnütziger Arbeit zu begleiten. Was andernorts das Jugendamt übernimmt, ist in Nürnberg bewusst ausgelagert worden. Seither ist die KogA die zentrale Anlaufstelle für Nürnberger Jugendliche.

Jährlich bearbeitet das Team um Leitung Justyna Bieganski rund 1.500 Zuweisungen: von Ordnungswidrigkeiten wie Schulversäumnis, Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung oder das Meldegesetz bis hin zu Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung, Betrug oder unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln. Dabei gilt stets das gleiche Ziel: Die Jugendlichen so zu begleiten, dass sie ihre Auflagen verlässlich erfüllen und gleichzeitig die Chance bekommen, neue Perspektiven zu entdecken.

Was die KogA dabei besonders macht, ist der Blick auf das Ganze: Es geht nicht nur um die Vermeidung weiterer Sanktionen, sondern auch um Perspektiven. „Wir nehmen uns für jeden Jugendlichen Zeit, hören zu und suchen eine Einsatzstelle, die passt“, erklärt Justyna Bieganski. „Denn hinter jedem Delikt steckt eine Geschichte und jeder junge Mensch verdient die Chance, Verantwortung zu übernehmen etwas Positives daraus mitzunehmen.“

 Von der Arbeitsauflage zur Chance

Die Arbeit der KogA ist viel mehr als reine Vermittlung. Das Team nimmt sich persönlich Zeit für jeden einzelnen Jugendlichen, prüft Einschränkungen, sucht passende Einsatzstellen und hält engen Kontakt zu Gerichten, Staatsanwaltschaften, Bewährungshilfe und Einsatzstellen. So leisten die Jugendlichen ihre Arbeitsstunden in gemeinnützigen Einrichtungen wie Altenheimen, Sportvereinen, Wertstoffhöfen, Jugendzentren oder Kindergärten ab; immer angepasst an potentielle Einschränkungen und ihre Lebenssituation. Viele Jugendliche erleben hier zum ersten Mal, wie es ist, gebraucht zu werden.

Nicht selten ergeben sich daraus besondere Erfolgsgeschichten. „Es kommt immer wieder vor, dass ein Jugendlicher durch die Arbeitsstunden entdeckt: Das ist genau mein Ding“, erzählt Justyna Bieganski. „Mitunter entwickelten sich aus den Auflagen bemerkenswerte Erfolgsgeschichten – beispielsweise der Einstieg in eine Ausbildung oder der Erhalt eines festen Arbeitsplatzes“. Solche Momente machen für das Team die Bedeutung ihrer Arbeit besonders spürbar.

Stetige Entwicklung

In 25 Jahren hat sich die KogA stetig weiterentwickelt. Von Beginn an digital aufgestellt, nutzte das Team zunächst eine technisch limitierte Datenbank. Bereits seit 2003 arbeitet das Team mit einem weiterentwickelten Datenbanksystem. Auch die Abläufe sind strukturierter geworden, etwa durch feste Termine, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurden und sich seitdem bewährt haben.

Ein besonderes Beispiel für Innovation und Weiterentwicklung ist unter anderem das Projekt „Tu was!“, welches sich an schulabstinente Jugendliche richtet. Statt die Jugendlichen zur Ableistung von Arbeitsstunden heranzuziehen, legt die KogA zunächst den Fokus darauf, ob eine schulische oder berufliche Re-Integration bereits erfolgt ist, etwa durch regelmäßigen Schulbesuch oder die Aufnahme einer Ausbildung. Liegt dies vor, so werden die Arbeitsstunden zunächst ausgesetzt und der Schul- oder Ausbildungsbesuch engmaschig überprüft. Sollte keine solche Anbindung bestehen, wird den Jugendlichen im Rahmen eines gezielten Einzelcoachings Unterstützung angeboten, um eine (Re-)Integration zu ermöglichen. Bei erfolgreicher Teilnahme an einer dieser Maßnahmen gilt die gerichtliche Auflage als erfüllt.“ „Wir gehen mit der Zeit und passen unsere Arbeit den Bedürfnissen der Jugendlichen an“, erklärt Justyna Bieganski. „Denn nicht jede Straftat oder jedes Problem lässt sich mit Arbeitsstunden allein lösen.“ Diese Haltung zeigt: Die KogA denkt nicht in starren Strukturen, sondern sucht nach Wegen, die wirklich helfen.

Auch herausfordernde Zeiten meistert das Team: Während der Covid-Pandemie entwickelte die KogA die Gesprächsweisung TEA (Themenbezogene Einzelarbeit), welches es dem Team ermöglichte, Jugendliche bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, weiter zu begleiten und sicher zu stellen, dass die Auflage erfüllt werden konnte. Die Gesprächsweisung ist mittlerweile fester Bestandteil in der Arbeit der KogA und wird nun als eine Kurzzeitmaßnahme zu alltags- oder deliktspezifischen Themenmodulen bei Straftaten angewandt.

Geduld, Vertrauen und starke Ergebnisse

Die Arbeit ist nicht immer einfach. Manche Jugendliche kommen mehrfach zur KogA, weil sie sich bei einer Einsatzstelle nicht bewährt haben. Doch das Team setzt bewusst auf Geduld und weitere Chancen. Oftmals sind mehr Gespräche und der richtige Blickwinkel auf ihre aktuelle Lebenslage erforderlich. Aufgrund der steigenden Multiproblemlagen der Jugendlichen erweist sich die Vermittlung in gemeinnützige Arbeit als immer komplexere Aufgabe.

Trotz aller Schwierigkeiten kann die KogA auf beachtliche Ergebnisse verweisen: 80 Prozent der Jugendlichen erfüllten im Jahr 2024 ihre Auflagen erfolgreich. Auch die Zusammenarbeit mit den Gerichten und Einsatzstellen gilt als vorbildlich.

„Unsere größte Stärke ist, dass die Jugendlichen merken: Wir arbeiten nicht gegen sie, sondern mit ihnen“, so Justyna Bieganski. „Das schafft Vertrauen, denn ohne Vertrauen geht es in diesem Bereich nicht.“

 Blick in die Zukunft

Nach 25 Jahren gilt es nicht nur zurückzublicken, sondern auch in die Zukunft gerichtet. Denn klar ist: Die Herausforderungen bleiben groß. Immer mehr Jugendliche kämpfen mit familiären oder psychischen Problemen, und die Straftaten verlagern sich teilweise in den digitalen Raum.

Trotzdem ist die Perspektive positiv. Teamleiterin Justyna Bieganski hat dabei vor allem ein Anliegen: „Ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin an neue Entwicklungen anpassen können und dabei unsere Haltung bewahren: jeden Jugendlichen individuell und ohne Vorurteile zu betrachten“.