Familien zu unterstützen bedeutet weit mehr als in akuten Krisen Hilfe zu leisten. Sozialarbeit schafft Räume, in denen Eltern und Kinder Vertrauen aufbauen, Orientierung finden und Perspektiven entwickeln können.

„Familie ist die Grundlage für das Leben und wie man sich entwickelt“, erklärt Paula Herrera, Teamleiterin der Familienbildung im Treffpunkt e.V. Seit vielen Jahren begleitet ihr Team Eltern, Alleinerziehende und junge Mütter dabei, ihren Alltag zu meistern, Verantwortung zu übernehmen und ihre Rolle als Elternteil zu stärken.

Familienbildung als Schlüssel
Seit vielen Jahren bietet der Treffpunkt e.V. Familienbildung an: Von Alleinerziehenden Mamas bis zu hin Geflüchteten fanden in den letzten Jahren viele verschiedene Zielgruppen Halt und Angebote im Treffpunkt e.V. Heute stehen vor allem junge Mütter (mit dem Angebote MUT) und Eltern (mit dem Angebot Let’s Talk) im Mittelpunkt der Familienbildung.

„Familienbildung möchte deutlich machen: Du bist nicht allein – ganz gleich, welche Herausforderungen oder Erfahrungen dich gerade belasten.“, erklärt Paula Herrera.

Die Erfahrung zeigt: Gerade Frauen, die jung Mutter werden oder neu in Deutschland sind, kämpfen mit Isolation. Ihnen fehlt oft ein soziales Netz, manchmal auch das Wissen über Unterstützungsangebote. In den Gruppen erfahren sie nicht nur praktische Hilfe, sondern vor allem Gemeinschaft und treffen anderen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Herausforderungen im Familienalltag
Elternsein war nie einfach und ist im digitalen Zeitalter sogar noch schwerer. „Eine der größten Herausforderungen ist diese Flut an Informationen. Viele Eltern orientieren sich an Erziehungstrends aus den sozialen Medien, ohne sie zu hinterfragen. Hier setzt die Familienbildung an: Sie schafft Orientierung, regt zum Nachdenken an und ermutigt Eltern, eigene Wege zu gehen.

Hinzu kommen gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren: Einkommen, Bildung und Wohnsituation bestimmen maßgeblich, welche Chancen ein Kind hat. „Wenn eine Mutter ständig arbeiten muss, ist sie für ihre Kinder kaum präsent. Das ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein emotionales Problem.“, so die Teamleiterin. Sozialarbeit schafft hier Ausgleich, indem sie Familien Zugänge eröffnet, Beratungen vermittelt und Hilfe beim Beantragen von Unterstützungsleistungen gibt.

Nachhaltigkeit durch Begleitung
„Ein einzelner Termin kann Impulse geben – aber echte Entwicklung geschieht, wenn Familien über längere Zeit begleitet werden. Dann sehen wir, wie sie ihren eigenen Weg finden und gestärkt ihren Alltag meistern.“, sagt Paula Herrera.

Ein Beispiel ist das Angebot MUT. Dort wachsen junge Mütter in ihre Rolle hinein, lernen die Bedürfnisse ihrer Kinder zu verstehen und erleben, dass sie Verantwortung tragen können. Sie entdecken auch: Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Stärke.

Prävention statt nur Krisenintervention
Oft suchen Familien erst Hilfe, wenn eine Krise sie überrollt. Doch Sozialarbeit wirkt auch vorbeugend. Let’s Talk ist so ein Angebot. In Online-Elternabenden erfahrene interessierte Eltern, wie sie mit den Herausforderungen der Pubertät umgehen.

„Elternsein ist die schwierigste Aufgabe der Welt und dafür gibt es keinen Schulabschluss und kein Zertifikat. Für fast alles werden wir geschult, nur nicht fürs Elternsein. Genau hier setzen wir an: Wir bereiten Eltern auf schwierige Phasen vor, bevor Probleme eskalieren.“, erklärt Paula Herrera.

Selbst sensible Themen wie Suizidalität oder selbstverletzendes Verhalten finden hier Platz. Viele Eltern nehmen das Angebot dankbar an; nicht, weil sie akut betroffen sind, sondern weil sie vorbereitet sein wollen.

Geschichten, die bleiben
Was Familienbildung bewirken kann, zeigt ein Beispiel besonders deutlich: Eine junge Mutter kam vor 15 Jahren zu MUT, fand dort Unterstützung, absolvierte später ihre Ausbildung im Treffpunkt e.V. und engagiert sich heute selbst in der sozialen Arbeit.

Gleichzeitig gibt es auch Situationen, die schwer auszuhalten sind: Etwa Fälle von Kindeswohlgefährdung, in denen entschieden werden muss, ob Kinder ohne ihre Eltern besser aufgehoben sind. Oder Familien, die über Jahre hinweg kämpfen, weil ihnen aufgrund politischer Förderlogiken die nötige Unterstützung verwehrt bleibt.

Und doch sind es die positiven Geschichten, die im Gedächtnis bleiben: Frauen, die Jahre später dankbar erzählen, wie wichtig die Vermittlung des Sprachkurses oder des Kindergartenplatzes für sie war. Und Kinder, die durch die Begleitung ihrer Eltern spüren: Ich habe eine Chance, meinen Weg zu gehen.

Sozialarbeit verändert nachhaltig
Sozialarbeit ist mehr als „Feuerlöschen“. Sie kann Familien durch Krisen begleiten, ihnen Orientierung geben und ihnen helfen, langfristig stabil zu werden.

Sie sollte als Ganzes betrachtet werden: präventiv – in der Krise – und nach der Krise. Das macht sie zu einem unverzichtbaren Bindeglied zwischen Familien, Gesellschaft und Zukunft.

Im August waren wir – der Treffpunkt e.V. – erstmals zu Gast in der Radiosendung „Strafzeit“ bei Radio Z. Künftig wird der Treffpunkt e.V. regelmäßig in der „Strafzeit“ vertreten sein, um Angehörigen und Inhaftierten wichtige Informationen rund um das Thema Haft zugänglich zu machen.

Die Sendung „Strafzeit“ läuft an jedem 5. Sonntag im Monat von 18:00 bis 20:00 Uhr. Neben bekannten Hits bietet sie die Möglichkeit, Grüße an Inhaftierte zu übermitteln und so Verbindung nach draußen zu halten.

Seit August gibt es noch mehr Zeit für Austausch und Unterstützung: Von 20:00 bis 22:00 Uhr werden auch wir – der Treffpunkt e.V. – vor dem Mikrofon stehen. In dieser besonderen Stunde sprechen wir über Themen, die Angehörige bewegen: Von Unsicherheit und Fragen rund um die Haft bis hin zu praktischen Tipps, wie man mit dieser schwierigen Situation umgehen kann. Unser Ziel ist es, Klarheit zu schaffen, Orientierung zu geben und so die Wissenslücken und Unsicherheiten abbauen, die viele Angehörige in dieser Situation erleben.

Die erste gemeinsame Sendung aus dem August ist bereits online verfügbar: https://www.radio-z.net/strafzeit-meets-trefffpunkt-e-v-podcast-60079/

Die nächste Ausgabe hören Sie am 30. November live auf Radio Z.

Einschalten lohnt sich – für aktuelle Infos, praktische Hilfen und stärkende Impulse!

Im August veranstaltete die Deutsche Hochschule der Polizei in Münster einen Thementag für die Studierenden des Masterstudiengangs Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement. Die Teilnehmenden konnten dabei aus mehreren Seminaren wählen, darunter auch das Seminar zum Thema Täterarbeit. Dieses widmete sich vor allem der Frage, wie Täterarbeit im Bereich Partnerschaftsgewalt gestaltet und für die polizeiliche Praxis nutzbar gemacht werden kann.

Unter dem Titel „Täterarbeit im Bereich Partnerschaftsgewalt – Der proaktive Ansatz für polizeiliche Führungskräfte“ präsentierten Expertinnen und Experten aktuelle Konzepte und Praxisbeispiele. Eingeladen waren ein Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit HG e.V., eine Vertreterin der Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg sowie unsere Kollegin Susanne Scharch von RESPEKT! Fachstelle Mittelfranken.

Das Seminar zielte darauf ab, neben den gesetzlichen Grundlagen auch die Täterarbeit heute und auch zukünftig vorzustellen. Im Zentrum stand dabei der sogenannte proaktive Ansatz: Gewaltausübende werden frühzeitig erreicht, um nachhaltige Veränderungsprozesse einzuleiten. Dieser präventive Zugang soll nicht nur Wiederholungstaten verhindern, sondern auch einen Beitrag zum Schutz Betroffener und zur langfristigen Gewaltprävention leisten.

Die Teilnehmenden erhielten dadurch wertvolle Impulse für ihre spätere Führungsarbeit im Polizeidienst; insbesondere für den professionellen Umgang mit partnerschaftlicher Gewalt und die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachstellen.