Elterngruppe in der JVA – Ein Überblick
Eine Gruppe von Vätern/Müttern sitzt zusammen – nicht irgendwo, sondern innerhalb der Mauern der Justizvollzugsanstalt. Dieses Bild steht für die Mütter- und Vätergruppen in den Justizvollzugsanstalten Nürnberg und Bayreuth. Seit Jahren führt der Treffpunkt e.V. regelmäßig diese Gruppen durch, um die Teilnehmenden in ihrer Rolle als Mutter oder Vater zu begleiten und zur Reflexion anzuregen. Im Mittelpunkt steht dabei die Auseinandersetzung mit der eigenen Elternschaft unter den besonderen Bedingungen der Haft.
In einem Umfeld, in dem der Mensch oft auf seine Tat und seine individuelle Situation reduziert wird, behalten wir bewusst einen anderen Blick: Für uns bleibt jede inhaftierte Person immer auch Teil eines Familiensystems – Mutter oder Vater eines Kindes, das draußen wartet.
Und dann stehen da diese Fragen im Raum: Was bedeutet es eigentlich für mein Kind, dass ich hier bin? Was nimmt es aus dieser Situation mit – aus meinen Fehlern? Und wie erkläre ich meinem Kind, dass ich im Gefängnis sitze … und warum? Fragen, die schwer sind. Und die oft zum ersten Mal wirklich zugelassen werden.
Die Haft kann, so belastend sie ist, auch eine besondere Chance sein. Sie unterbricht das Außen, das Funktionieren, das Weitermachen – und schafft Raum für ehrliches Innehalten. Viele Teilnehmende erleben hier zum ersten Mal, dass sie über ihre Rolle als Eltern nachdenken und sprechen – offen, verletzlich, manchmal schmerzhaft, aber oft sehr bewegend.
Als Gruppenleiterinnen greifen wir diese Momente auf und geben Impulse, immer mit dem Blick auf die Kinder draußen. Der Einstieg ist oft vorsichtig, manchmal auch von Schweigen geprägt. Doch mit der Zeit wächst Vertrauen – und aus einzelnen Gedanken wird ein echter Austausch.
Und ganz nebenbei wird in der Gruppe auch gebastelt. Kleine Dinge, oft ganz einfach – aber mit großer Bedeutung: ein Perlenarmband, eine Kette, eine Laterne. Für manche Teilnehmende ist das etwas völlig Neues. Sie geben sich Mühe und gestalten etwas mit ihren eigenen Händen für ihre Kinder. Und genau darin liegt die Botschaft: Mama oder Papa denkt an dich. Diese kleinen Gesten helfen, die Verbindung aufrechtzuerhalten – und zeigen, dass Elternschaft nicht an den Mauern der Haft endet.
Hinweis: Das Bild wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.



